Google Streetview Oktober 2022

Herz Jesu Bettrath | 813

Kirchen 7. Mai 2026

Im Herzen des Mönchengladbacher Ortsteils Bettrath-Hoven, an der Hansastraße 63, erhebt sich ein bedeutendes Zeugnis rheinischer Kirchenbaukunst: die römisch-katholische Herz-Jesu-Kirche. Seit dem 8. August 1990 steht das Bauwerk unter Denkmalschutz (Nr. H 064) und beeindruckt heute wie damals durch seine architektonische Geschlossenheit und seine außergewöhnlich gut erhaltene Innenausstattung.

Eine Geschichte von Ausdauer und Glauben

Die Entstehung der Kirche ist eng mit dem Namen Johann Matthias Dohr verbunden. Er verstarb 1871 und vermachte sein Vermögen der Pfarre St. Mariä Himmelfahrt Neuwerk unter der Bedingung, ein eigenes Gotteshaus für die Bewohner von Bettrath und Hoven zu errichten. Zuvor mussten die Gläubigen den weiten Weg nach Neuwerk auf sich nehmen. Doch der Bau stand zunächst unter keinem guten Stern: Der kirchenpolitische Konflikt des Kulturkampfes verzögerte die Pläne um Jahre. Erst 1888 konnten die Entwürfe des Neusser Architekten Julius Busch genehmigt werden.

  • 1889: Baubeginn im August.
  • 1890: Grundsteinlegung am 11. Mai.
  • 1891: Fertigstellung und erste Heilige Messe am 22. November.
  • 1892: Konsekration durch Weihbischof Antonius Fischer am 6. August.
  • 1899: Erhebung zur eigenständigen Pfarrkirche.

Ein einschneidendes Ereignis war der Blitzschlag im Jahr 1948, der den Turmhelm und das Dach schwer beschädigte. Beim Wiederaufbau 1949 wurde der Turm aus statischen und praktischen Gründen um etwa sieben Meter gekürzt, was das heutige Erscheinungsbild prägt.

Architektur: Die neogotische Gewölbebasilika

Die Herz-Jesu-Kirche wurde als dreischiffige neogotische Gewölbebasilika konzipiert. Zu ihren charakteristischen Merkmalen gehören:

  • Ein markantes Querhaus und ein 5/8-Chorschluss.
  • Ein dreijochiges Langhaus mit klassischem Kreuzrippengewölbe.
  • Ein dominanter Westturm, der trotz der Verkürzung von 1949 das Ortsbild prägt.

Einzigartige Ausstattung: Licht und Farbe im Nazarenerstil

Besonders hervorzuheben ist die künstlerische Ausstattung, die den Zweiten Weltkrieg und spätere Modernisierungswellen fast unbeschadet überstanden hat. Die Herz-Jesu-Kirche ist eine der wenigen Kirchen der Region, in denen die Original-Glasmalereien des 19. Jahrhunderts fast vollständig erhalten sind. Die Fenster wurden ab 1896 von der renommierten Werkstatt Oidtmann aus Linnich geschaffen.

  • Chorraum: Die drei großen farbigen Fenster zeigen zentrale Szenen: den Judaskuss, die Gefangennahme Christi und die Kreuzigung.
  • Querschiff & Seitenschiffe: Hier finden sich Darstellungen der Geburt Jesu, der Himmelfahrt und der Vermählung Mariens.
  • Stil: Die Fenster sind im Nazarenerstil gehalten – eine Kunstrichtung, die auf Klarheit, tiefen christlichen Gehalt und eine harmonische Farbgebung setzt.

Sakrale Kunstwerke

Neben den Fenstern beherbergt die Kirche weitere wertvolle Inventarstücke der Gründungszeit:

  • Altäre: Der neogotische Hochaltar sowie die Seitenaltäre stammen aus der Aachener Werkstatt W. Pohl & Esser (1892).
  • Taufstein: Ein Werk aus Blaustein, gefertigt 1899 von den Gebrüdern Dehin in Lüttich.
  • Pietà: Eine Skulptur des Kölner Bildhauers Nikolaus Steinbach aus dem Jahr 1901.

Seelsorge und Wandel

Über Jahrzehnte prägten engagierte Priester das Gemeindeleben, darunter langjährige Seelsorger wie Wilhelm Cleven (1942–1972) und Horst Straßburger (1982–2005). Im Zuge kirchlicher Umstrukturierungen fusionierte die ehemals eigenständige Pfarre im Jahr 2013 zur Großpfarrei Maria von den Aposteln. Seit 2025 ist die Herz-Jesu-Kirche Teil des Pastoralen Raums Mönchengladbach Mitte-Nordost. Auch wenn sie heute wieder als Filialkirche geführt wird, bleibt sie ein spiritueller Mittelpunkt und ein bedeutendes Denkmal für die Bürger von Bettrath-Hoven.

Ein Gedanke zur Weihnacht: Das Fenster der Geburt Jesu erinnert uns heute mehr denn je an die Menschlichkeit. Maria und Josef fanden nur in einer "Notunterkunft" Platz – ein Bild, das auch in modernen Zeiten zur Nächstenliebe und zum Schutz der Schwächsten aufruft.

Bonus:

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