Gebrüder Abraham AG, Warenhaus | 517
Die Geschichte des Einzelhandels in Mönchengladbach und Rheydt ist untrennbar mit dem Schicksal der Brüder Adolf und Julius Abraham verbunden. Ihr Weg führte von einer Angestelltentätigkeit hin zur Schaffung einer architektonischen Ikone, die bis in die Gegenwart Bestand hat.
1901: Gründung in Rheydt
1906: Bau des Prachtbaus (Mönchengladbach)
1927: Verkauf an Leonhard Tietz AG
1934: Systematische „Arisierung“
Ihre beruflichen Wurzeln hatten Adolf und Julius
Abraham im späten 19. Jahrhundert in der Bonner Niederlassung des jüdischen Kaufhauskonzerns von Leonhard Tietz. Mit dem dort erworbenen Wissen wagten die Brüder im Jahr 1901 den Schritt in die Selbstständigkeit. Sie verließen das Unternehmen Tietz und eröffneten in angemieteten Räumen an der Hauptstraße 59 in Rheydt ihr erstes eigenes Warenhaus.
Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Schon bald erweiterten sie ihr Unternehmen und bezogen zusätzliche Geschäftsräume an der damaligen Krefelder Straße in Mönchengladbach. Da die Geschäfte weiterhin florierten, beauftragten sie den renommierten Warenhaus-Architekten Otto Engler mit dem Entwurf eines repräsentativen Neubaus. In den Jahren 1905/1906 entstand an der
heutigen Hindenburgstraße 125 ein imposantes Gebäude, das den heutigen Standort der Galeria Kaufhof markiert.
Die Geschichte nahm im Jahr 1927 eine entscheidende Wendung, als das Warenhaus Abraham an den Leonhard-Tietz-Konzern verkauft wurde – jenes Unternehmen, bei dem die Brüder einst ihre Karriere begonnen hatten. Doch die politische Umwälzung in Deutschland beendete diese Ära gewaltsam. Im Jahr 1934 wurde die Leonhard Tietz AG im Zuge der nationalsozialistischen „Arisierung“ enteignet und umgewandelt. Aus diesem Prozess, der die Verdrängung jüdischer Eigentümer zur Folge hatte, ging schließlich das heutige Warenhauskonzept der Galeria Kaufhof hervor. So steht das Gebäude an der Hindenburgstraße heute nicht nur für modernen Konsum, sondern auch als
Zeugnis einer bewegten und leidvollen Historie.