Evangelische Hauptkirche Rheydt | 653
Die Hauptkirche in Rheydt, errichtet zwischen 1899 und 1902, gilt als markantes Wahrzeichen der ehemals eigenständigen Stadt. Sie trat an die Stelle der sogenannten „alten Hauptkirche“ aus dem 14. Jahrhundert, die im Zuge der Reformation im 16. Jahrhundert protestantisch geworden war. Bereits 1741 hatte die evangelisch-reformierte Gemeinde die Vorgängerkirche zur Querhausanlage umgebaut, um eine Predigtkirche zu schaffen, in der Kanzel und Abendmahltisch den Mittelpunkt bildeten.
Ein Signal von Wohlstand und Konfession
Der Neubau Ende des 19. Jahrhunderts war eine Reaktion auf den massiven Platzbedarf der zur Industriestadt gewachsenen Gemeinde. Gemeinsam mit dem Rathaus verdeutlichte der 72 Meter hohe Prachtbau den Aufstieg Rheydts zum Zentrum der Textilindustrie. Gleichzeitig fungierte das Bauwerk als protestantisches Zeichen in einer Zeit, in der Katholiken infolge der Industrialisierung zur Bevölkerungsmehrheit im Umland wurden.
Architektur nach dem Wiesbadener Programm

Obwohl die Kirche im Stil des Späthistorismus erbaut wurde, bewahrte sie konsequent die Raumordnung ihrer schlichteren Vorgängerin. Verantwortlich hierfür war der Berliner Architekt Prof. Johannes Otzen, der mit seinem „Wiesbadener Programm“ von 1891 neue Maßstäbe für den protestantischen Kirchenbau setzte. Otzen definierte die Kirche als „Versammlungshaus der feiernden Gemeinde“, in dem die Einheit des Raumes das allgemeine Priestertum widerspiegeln sollte. Die Gleichwertigkeit von Kanzel und Altar fand in der Hauptkirche durch einen eindrucksvollen Kanzelaltar Ausdruck, der zudem eine hervorragende Akustik für die Predigt gewährleistete.
Zerstörung, Purifizierung und Rekonstruktion
- Kriegsschäden: Zwischen 1943 und 1945 wurde das Gebäude schwer beschädigt, wobei die wertvolle Ausstattung – darunter die spätromantische Wilhelm-Sauer-Orgel von 1902 – erhalten blieb.
- Nüchternheit der 1960er: Im Jahr 1962 wurde der Innenraum im Geiste der Zeit purifiziert, um jegliche Ablenkung von der Predigt zu vermeiden, was jedoch bei vielen Gemeindegliedern Bedauern auslöste.
- Rückkehr zur Originalfassung: Im Jahr 2001 entschied das Presbyterium, die ursprüngliche farbige Gestaltung basierend auf historischen Belegen wiederherzustellen. Mit Hilfe von Spenden und EU-Mitteln wurde das Projekt zwischen 2004 und 2017 weitgehend abgeschlossen.
Verbindung von Alt und Neu
Da für die im Krieg zerstörten Fenster keine Vorlagen existierten, gestaltete der Glaskünstler Thomas Kuzio im Jahr 2012 eine moderne Kunstverglasung. Diese wird heute als gelungene Symbiose mit der historischen Architektur wahrgenommen. Die Hauptkirche dient heute nicht nur als beliebter Ort für festliche Gottesdienste, sondern auch als bedeutender Rahmen für Kirchenmusik, Kulturangebote und Erwachsenenbildung. Im Rahmen der Citykirchenarbeit fungiert das Gebäude als einladender Raum für den Dialog über Glaubens- und Sinnfragen, der Menschen über Konfessionsgrenzen hinweg anspricht.
Eine kurze Zusammenfassung mit eigenen Worten vom ursprünglichen Artikel des: "Pfarrer Olaf Nöller, Vorsitzender der „Soko“ Renovierung Hauptkirche"
Quellen
Bonus: