Das Oppenheimer´sche, später Hillesheim´sches Palais | 137
Im Herzen der Quadratestadt Mannheim, die 1607 als Festung aus der Taufe gehoben wurde, spiegelt der Marktplatz eine bewegte Geschichte der Vielfalt wider. Nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges verfolgte Kurfürst Karl Ludwig eine weitsichtige Siedlungspolitik, um die Stadt wieder aufzubauen. Sein Aufruf richtete sich an „alle ehrlichen Leute von allen Nationen“, was ab etwa 1655 auch die ersten jüdischen Familien nach Mannheim lockte.
Eine Gemeinde blüht auf
Die jüdische Gemeinschaft wuchs unter diesen Bedingungen so rasant, dass Prinzessin Liselotte von der Pfalz im Jahr 1720 in ihren Briefen scherzhaft bemerkte, es lebten nun angeblich mehr Juden als Christen in der Stadt. Auch Reisende zeigten sich beeindruckt von der außergewöhnlichen Freiheit, die jüdische Bürger hier im Vergleich zu anderen deutschen Städten genossen.
Dabei gab es innerhalb der Gemeinde feine Unterschiede:
- Aschkenasische Juden: Sie erhielten ab 1660 rechtliche und wirtschaftliche Privilegien, die für die damalige Zeit wegweisend waren, blieben jedoch offiziell „Schutzbürger“ und mussten ein entsprechendes Schutzgeld zahlen.
- Sephardische Juden: Die oft wohlhabenderen „portugiesischen“ Juden genossen sogar noch weitreichendere Rechte und ein besonders hohes Ansehen in der Gesellschaft.
Zwischen Wirtschaftskraft und höfischem Glanz

Der wirtschaftliche Aufstieg Mannheims war eng mit dem jüdischen Unternehmertum verknüpft. Im Zeitalter des Merkantilismus finanzierten jüdische Händler lokale Manufakturen, organisierten den Export von Waren und sicherten die Einfuhr notwendiger Rohstoffe. Sogenannte „Hoffaktoren“ stellten zudem die enormen Summen bereit, die der kurfürstliche Hof für seinen repräsentativen Lebensstil benötigte.
Wie eng die Verbindung zum Herrschaftshaus war, zeigt eine Episode aus dem Jahr 1720: Als Kurfürst Karl Philipp seine Residenz nach Mannheim verlegte, das Schloss aber noch nicht fertiggestellt war, bezog er kurzerhand das Stadtpalais von Emanuel Oppenheim in R 1, 1. Elf Jahre lang diente das stattliche Haus des Sohnes eines Wiener Hofjuden als provisorische Residenz, bis der Hof 1731 in das neue Schloss umziehen konnte. Auch wenn das Palais heute einem modernen Neubau gewichen ist, bleibt die Geschichte der jüdischen Gemeinde als tragende Säule des Mannheimer Wiederaufbaus unvergessen.
Quellen
Keller, Volker: Jüdisches Leben in Mannheim, Mannheim 1995