Israelitischer Begräbnisplatz | 408
Im Mönchengladbacher Stadtteil Westend findet sich mit dem Friedhof an der Hügelstraße der bedeutendste noch existierende jüdische Begräbnisplatz des heutigen Stadtgebiets. Seine Geschichte ist ein Spiegelbild der wechselvollen Entwicklung der jüdischen Gemeinde vor Ort, geprägt von Wachstum, erzwungenem Verlust und beharrlichem Wiederaufbau.
Vom Sandgruben-Areal zum festen Bestandteil der Gemeinde
Die Anfänge des Friedhofs gehen auf das Jahr 1841 zurück. Damals erwarb die jüdische Gemeinde ein Gelände vom Kaufmann Busch, das zuvor als Kies- und Sandgrube gedient hatte. Dieser neue Ort löste einen älteren, heute nicht mehr auffindbaren Friedhof in der Nähe ab. Obwohl die ersten Bestattungen bereits kurz nach dem Erwerb 1841 stattfanden, ist der älteste heute noch erhaltene Grabstein auf das Jahr 1875 datiert.
Expansion und städtebauliche Integration
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchs der Platzbedarf der Gemeinde deutlich an. Im Juni 1891 erwarb die Gemeinschaft zusätzliches Land auf der Südseite von dem Weinhändler und Ziegeleibesitzer Julius Friedrich. Um dieses Vorhaben zu finanzieren, unterstützte die Stadt das Projekt mit einem Zuschuss von 1500 Mark – eine Entscheidung, die maßgeblich durch den Stadtverordneten Franz Brandt vorangetrieben wurde. Im Zuge dieses Ausbaus kam es zu einer interessanten städtebaulichen Verflechtung: Da die damalige Hohlstraße (die heutige Hügelstraße) erweitert werden sollte, trat die Gemeinde Land an die Stadt ab. Im Gegenzug verpflichtete sich der Verkäufer Friedrich zum Bau einer neuen Friedhofsmauer. Weitere Grundstückserweiterungen im Jahr 1899 ließen das Areal schließlich auf über einen Hektar anwachsen. Im Jahr 1914 ergänzte die Gemeinde den Friedhof um eine Leichenhalle an der Südseite.
Schatten der Geschichte
Die dunkelste Ära des Friedhofs fiel in die Zeit des Nationalsozialismus. Lokale Steinmetze entwendeten damals rund 300 Grabsteine. Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes gelang es zwar, etwa 50 dieser Zeugnisse jüdischen Lebens zurückzuholen, der unwiederbringliche Verlust bleibt jedoch ein schmerzhaftes Kapitel. Auch die Nachkriegszeit brachte einschneidende Veränderungen: Ein Teil des Geländes musste veräußert werden, um Platz für die Errichtung der Ernst-Reuter-Sportanlage zu schaffen.
Mahnmal und heutige Bedeutung
Ein wichtiges Zeichen des Gedenkens wurde am 9. November 1952 gesetzt: In unmittelbarer Nähe zur restaurierten Leichenhalle weihte die Gemeinde ein Ehrenmal für die jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung ein. Seit März 1993 steht der gesamte Friedhof unter Denkmalschutz, was seine Bedeutung für die Stadtgeschichte unterstreicht. Dass die Geschichte des Ortes noch immer nicht abgeschlossen ist, bewies die jüdische Gemeinde in den Jahren 2019 und 2020: Durch erneute Grundstückskäufe an der Nordseite konnte das Areal erweitert werden, um den Friedhof als Ort des Friedens und der Erinnerung für die Zukunft zu sichern.