Betraum Gladbach | 446
Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Gladbach ist eng mit einem Ort verknüpft, der heute rein äußerlich kaum noch an seine geschichtsträchtige Vergangenheit erinnert. Den Grundstein für das organisierte religiöse Leben legte Joseph Cahn, der im Jahr 1809 zum Gemeindevorsteher ernannt wurde. In dieser Funktion übernahm er nicht nur die administrative Leitung, sondern sah sich auch in der Pflicht, seiner Gemeinde einen Ort für Gebet und Gemeinschaft zu ermöglichen.
Ein Betraum im Privathaus

Da es zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch kein eigenständiges Synagogengebäude gab, stellte Cahn Räumlichkeiten in seinem eigenen Wohnhaus am Abteiberg 4 zur Verfügung. In einem Anbau des Gebäudes wurde um das Jahr 1810 ein Betraum eingerichtet. Es war ein bedeutender Schritt: Hier fand das jüdische Leben der Stadt erstmals einen festen, geschützten Rahmen. Über mehrere Jahrzehnte hinweg diente dieses Haus als geistiges Zentrum der Gladbacher Juden.
Wachstum und Wandel
Doch der Erfolg der Gemeinde führte bald zu räumlicher Enge. Die stetig wachsende Zahl der Mitglieder machte den privaten Betraum im Hause Cahn unzureichend. In der Zeitspanne zwischen 1840 und 1850 vollzog die Gemeinde daher den nächsten großen Schritt: Sie verließ die privaten Räume am Abteiberg und bezog neue Räumlichkeiten in der ehemaligen Abtei (dem heutigen Rathaus). Was zunächst als Mietverhältnis begann, mündete im Laufe der Zeit im Erwerb der Flächen durch die Gemeinde.
Das verlorene Erbe
Wer heute die Adresse Abteiberg 4 besucht, sucht vergeblich nach Hinweisen auf diese historische Nutzung. Die ursprüngliche Bausubstanz des Hauses wurde zu Beginn der 1960er Jahre abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Es gibt vor Ort keine Gedenktafel oder Notiz, die an den einstigen Betraum erinnert. So bleibt dieser wichtige Teil der Stadtgeschichte heute weitgehend unsichtbar, obwohl dort vor über 200 Jahren das Fundament für die jüdische Identität in Gladbach gelegt wurde.