Manufakturwarenhandlung Bellerstein | 461
Die Wirtschaftsgeschichte Gladbachs wurde im späten 19. Jahrhundert maßgeblich durch den Unternehmungsgeist eines jungen Mannes geprägt. Im Jahr 1869 eröffnete der erst 21-jährige Salomon Bellerstein in der Krefelder Straße 51 seine eigene Manufakturwarenhandlung. Mit diesem Schritt trat er in direkten Wettbewerb zu seinem Nachbarn Jonas Lennhoff – ein Konkurrenzkampf, den Bellerstein aufgrund seines rasanten Erfolgs vermutlich für sich entschied und der letztlich zum Rückzug der Familie Lennhoff beigetragen haben könnte.
Innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelte sich das Geschäft zu einem der bedeutendsten Modehäuser der Stadt. Die Größe des Betriebs spiegelte sich auch in der Belegschaft wider: So waren dort bereits im Jahr 1888 neben zahlreichen christlichen Angestellten auch 20 jüdische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen war somit nicht nur ein wirtschaftlicher Schwerpunkt, sondern auch ein wichtiger lokaler Arbeitgeber.
Nachdem der Firmengründer Salomon Bellerstein im August 1917 verstarb, wurde das Modehaus als Familienbetrieb weitergeführt und bewahrte über die Jahre seine Stellung im Gladbacher Handel.
Das Ende dieser Ära wurde jedoch durch die politische Radikalisierung der 1930er Jahre erzwungen. Im Zuge der nationalsozialistischen Rassenpolitik wurde das traditionsreiche Familienunternehmen in den Jahren 1938/39 "arisiert". Damit wurde die Familie Bellerstein systematisch aus ihrem eigenen Betrieb verdrängt, was den gewaltsamen Schlusspunkt unter eine fast siebzigjährige Erfolgsgeschichte setzte.
Quellen
Bonus: