jewish-places.de

Die Lemle-Moses-Klaussynagoge | 136

Synagogen 3. Mai 2026

Im 18. Jahrhundert entstanden in Mannheim durch die Großzügigkeit sogenannter "Hofjuden" spezielle Orte für das intensive Tora- und Talmudstudium, die als Klausen bekannt wurden. Die bedeutendste dieser drei Einrichtungen befand sich im Quadrat F 1: die Klaussynagoge mit angeschlossenem Lehrhaus.

Die Stiftung des Lemle Moses Reinganum

jewish-places.de

Hinter dieser Gründung stand eine der schillerndsten Persönlichkeiten der kurpfälzischen Geschichte: Lemle Moses Reinganum (um 1666–1724). Als „Hof- und Obermilizfaktor“ verfügte er über ein enormes Vermögen, das es ihm ermöglichte, 1708 die Klausgebäude in F 1 einzuweihen. Ein besonderes Privileg des Kurfürsten Johann Wilhelm sorgte dafür, dass die dort lebenden Rabbinerfamilien nicht auf das offizielle Kontingent der in Mannheim zugelassenen jüdischen Haushalte angerechnet wurden.

Um das Fortbestehen dieses geistigen Zentrums „auf ewige Zeiten“ zu garantieren, hinterließ Reinganum nach seinem Tod die immense Summe von 100.000 Gulden. Dank dieser finanziellen Basis und dem Engagement der Gemeinde blieb die Klaus über zwei Jahrhunderte hinweg das religiöse Herzstück Mannheims. Namhafte Gelehrte wie Jakob Ettlinger wirkten hier in der Jeschiwa (Lehrhaus) und zogen Studenten aus weit entfernten Regionen an.

Bewahrerin der Einheit

Im 19. Jahrhundert übernahm die Klaus eine wichtige kirchenpolitische Rolle. Während die religiös-liberale Hauptsynagoge mit Orgelmusik neue Wege ging, wurde die Klaus zur Heimat der orthodoxen Gemeindemitglieder. Diese Vielfalt unter einem gemeinsamen Dach verhinderte eine formale Spaltung der jüdischen Gemeinschaft und legte den Grundstein für die Mannheimer Einheitsgemeinde.

Auch architektonisch spiegelte die Klaus den Wandel der Zeit wieder:

  • 1888: Neubau im prächtigen neu-islamischen bzw. „maurischen“ Stil.
  • 1930: Umgestaltung unter Rabbiner Dr. Isak Unna in ein modernes Gotteshaus im sachlichen Stil der Zeit.

Verfolgung und Ende der Tradition

Während des Novemberpogroms 1938 entging die Klaussynagoge der vollständigen Vernichtung, anders als die Hauptsynagoge. Ab dem Pessachfest 1939 diente sie als letzter Zufluchtsort für die Gottesdienste der gesamten Gemeinde. Das Leben der jüdischen Bürger konzentrierte sich in den Gebäuden von F 1, bis die Nationalsozialisten dieser jahrhundertealten Tradition am 22. Oktober 1940 ein gewaltsames Ende setzten: Über 2.000 Menschen wurden von hier in das Lager Gurs deportiert.

Orte des Gedenkens

Heute existiert die ursprüngliche Adresse F 1, 11 nicht mehr. Dennoch wird die Erinnerung an dieses bedeutende Erbe wachgehalten:

  • An der Westseite von F 1 erinnert eine Gedenktafel an die Geschichte der Klaus.
  • Vor der aktuellen Synagoge in F 3 steht eine Gedenkstele.
  • Ein Stolperstein am einstigen Standort der Hausnummer 11 ehrt Dr. Franz Rosenthal, den letzten Rabbiner der Klaus.

Quellen

Keller, Volker: Jüdisches Leben in Mannheim, Mannheim 1995

Tags