Jüdischer Friedhof (2010) | Käthe und Bernd Limburg, www.limburg-bernd.de

Jüdischer Friedhof Rheydt | 367

Friedhöfe 3. Mai 2026

Der jüdische Begräbnisplatz im Mönchengladbacher Stadtteil Rheydt ist weit mehr als eine reine Ruhestätte; er ist ein steinernes Zeugnis der jüdischen Gemeindeentwicklung, ihrer Säkularisierung und ihrer Verfolgung. Gelegen an der Eifelstraße, stellt er heute den zweitgrößten jüdischen Friedhof der Stadt dar.

Von privatem Erwerb zur Gemeindefläche

Die Geschichte des Geländes begann im Jahr 1832, als Heinrich Stern das Grundstück kaufte. Interessanterweise erwarb er die Fläche zunächst für private Zwecke und nicht offiziell als Vorsteher der Gemeinde. In der Folgezeit übertrug die Familie Stern jedoch sukzessive Teile des Areals in das Eigentum der jüdischen Gemeinde, um es als Begräbnisstätte nutzbar zu machen. Bevor dieser Platz etabliert wurde, nutzte die Gemeinde bis 1836 eine kleinere Fläche am Ende der heutigen Watelerstraße, die bereits 1782 als „Judenkirchhof aufm Heydberg“ Erwähnung fand. Der Nutzungsbeginn an der Eifelstraße wurde schließlich am 17.06.1836 mit der ersten Beisetzung besiegelt.

Wachstum und architektonischer Wandel

Da der ursprüngliche Platz über die Jahrzehnte nicht mehr ausreichte, kam es zu mehreren Erweiterungen:

  • 1900: Erste offizielle Vergrößerung durch die Übertragung weiterer Grundstücksteile.
  • 1908: Errichtung einer Leichenhalle (Taharahaus).
  • 1913: Eine erneute Erweiterung bezog die westlichen Flurstücke ein.

Die Gestaltung der Grabsteine (Mazewa) spiegelt den gesellschaftlichen Wandel wider: Während im ältesten Teil schlichte, hochrechteckige Sandsteinstelen die Gleichheit aller Menschen im Tod betonten, zeigten die späteren Abschnitte ab 1900 und 1913 durch die einsetzende Liberalisierung des Glaubens prachtvollere Formen, hohe Obeliske und monumentale Familiengrabstätten. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde zudem ein Ehrenmal für die gefallenen jüdischen Soldaten der Gemeinde errichtet.

Dunkle Jahre: Schändung und Zerstörung

Die Zeit des Nationalsozialismus hinterließ tiefe Wunden in der Anlage. Bereits am 11.05.1935 kam es zu einer ersten Schändung, bei der Grabsteine umgeworfen, Türen beschmiert und Bäume zerstört wurden. In der Reichspogromnacht am 09.11.1938 folgte eine noch massivere Schändung: Die Leichenhalle wurde komplett zerstört, sodass heute nur noch deren Grundmauern sichtbar sind. Ein großer Teil der Grabdenkmäler fehlt zudem bis heute, da Rheydter Steinmetzbetriebe die Steine während der NS-Zeit widerrechtlich entfernten und zweckentfremdeten.

Der Friedhof heute

Seit dem 24. August 1994 steht die etwa 2700 Quadratmeter große Anlage unter Denkmalschutz. Obwohl der Friedhof mit seinen sechs Parzellen heute von hohen Hecken und einer Backsteinmauer umgeben und nicht öffentlich zugänglich ist, wird er weiterhin belegt. Bis zum Jahr 1970 fanden hier schätzungsweise 1000 Menschen ihre letzte Ruhe. Die Verwaltung und das Eigentum liegen heute bei der Jüdischen Kultusgemeinde Mönchengladbach.

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