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Das jüdische Altersheim und Mikwe | 133

Altersheime 3. Mai 2026
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In der Zeit des Nationalsozialismus stand die jüdische Gemeinde in Mannheim vor einer ihrer schwersten Prüfungen: Die Versorgung der älteren und pflegebedürftigen Mitglieder wurde zu einer existenziellen Herausforderung. Da viele Angehörige bereits ausgewandert waren, blieben zahlreiche Senioren schutzlos zurück, während bestehende Einrichtungen wie das jüdische Altersheim am Neckar hoffnungslos überfüllt waren.

Ein Haus als Rettungsanker: B 7, 3

Im Jahr 1936 schenkte der jüdische Bankier Gustav Würzweiler der Gemeinde sein Anwesen im Quadrat B 7, 3. Das Gebäude entwickelte sich schnell zu einem Zufluchtsort, der bis unter das Dach mit Kranken, Obdachlosen und Vertriebenen aus der gesamten Region belegt war.

  • Struktur: Es wurden getrennte Etagen für jüdische Menschen aus der Pfalz und aus Baden eingerichtet.
  • Religiöses Leben: Trotz der prekären Lage blieben Glaube und Tradition präsent; im Obergeschoss befand sich eine Synagoge, im Keller eine Mikwe.
  • Erweiterung: Auch das Nachbarhaus B 7, 2 wurde einbezogen, um Patientinnen aus Nervenheilanstalten und später die jüdische Schule aufzunehmen.

Das Zentrum der „Restgemeinde“

Nachdem im Oktober 1940 bereits 56 Bewohner von B 7, 3 nach Gurs deportiert worden waren, schrumpfte die einstmals über 2.000 Personen starke jüdische Bevölkerung Mannheims auf wenige hundert Menschen zusammen. Die Häuser in B 7 wurden zum Mittelpunkt des verbliebenen Gemeindelebens.

  • In B 7, 2 erhielten die verbliebenen Kinder Schulunterricht.
  • Nach der Schließung des Krankenhauses am Neckar Ende 1941 übernahm B 7, 3 zusätzlich die Funktion einer Krankenstation.

Deportation und das Schicksal von Helene Waldeck

Ab 1942 begannen die direkten Deportationen in die Vernichtungslager im Osten. Im April wurden elf Menschen nach Izbika verschleppt, im August folgten mindestens 52 weitere Personen nach Theresienstadt.

Ein erschütterndes Zeugnis dieser Zeit hinterließ die 80-jährige Helene Waldeck, Mutter des späteren Ehrenbürgers Dr. Florian Waldeck. Bevor sie am 21. August 1942 deportiert werden konnte, nahm sie sich das Leben. In ihrem Abschiedsbrief dankte sie dem fürsorglichen Personal des Hauses, betonte jedoch ihre Machtlosigkeit gegenüber der allgegenwärtigen Hetze, die sie nach einem anständigen Leben nicht mehr ertragen könne.

Heute erinnert eine Gedenktafel an der Fassade des Gebäudes an die Menschen, für die B 7, 3 die letzte Station vor ihrer Verschleppung oder ihrem Tod war.

Quellen

Keller, Volker: Jüdisches Leben in Mannheim, Mannheim 1995

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