Alle Kinos.com | Union 1955 (Bildquelle: Filmblätter 25/55)

Union - Theater | 302

Kinos 3. Mai 2026

Die Adresse Hindenburgstraße 170 steht wie kaum eine andere für die wechselvolle Kinogeschichte des 20. Jahrhunderts. Schon seit 1912 wurde hier Filmgeschichte geschrieben, doch erst der umfassende Umbau im Jahr 1928 verlieh dem Standort gemeinsam mit dem benachbarten Woolworth-Warenhaus ein monumentales Gesicht.

Die Ära des Lichtspielpalastes (1928–1943)

Mit der Neugestaltung 1928 entstand ein architektonisches Highlight: Eine markante Fassade mit einem leuchtenden Turm überragte die Straße. Besucher betraten das Kino durch eine edle, steinverkleidete Halle, die in ein großzügiges Vestibül mündete. Über eine breite Steintreppe und vorbei an kunstvollen Mosaikfenstern gelangte man zum Rang. Das Haus bot damals beeindruckenden 1.450 Gästen Platz. Die Innenausstattung war geprägt von milchkaffeefarbenen Holzverkleidungen, mattem Blaugrün an der Decke und moderner Lichtarchitektur.

Ein besonderes Juwel war die Wurlitzer-Orgel, die zur Wiedereröffnung im September 1928 vom Komponisten Paul Mania virtuos eingeweiht wurde. Das Programm war vielfältig – von Stummfilm-Klassikern bis hin zu musikalischen Darbietungen.

Zerstörung und mutiger Wiederaufbau (1943–1949)

RP Online

Der Zweite Weltkrieg setzte dieser Pracht ein jähes Ende, als das Theater im Herbst 1943 zerstört wurde. Doch schon 1946 begann die Enttrümmerung; allein 50 Waggonladungen Schutt mussten aus dem Saal entfernt werden. 1949 feierte das Kino seine Auferstehung. Der neue Saal bestach durch einen frei schwebenden Balkon ohne störende Säulen und eine hervorragende Akustik, die sowohl für Tonfilme als auch für Konzerte ideal war. Zur Weltpremiere des Eröffnungsfilms „Du bist nicht allein“ erschien Regisseur Paul Verhoeven sogar persönlich.

Modernisierung und das Zeitalter von CinemaScope

In den 1950er Jahren passte sich das Haus unter der Leitung von Emil Kleine-Brockhoff dem Zeitgeist an. 1954 wurde eine riesige Tanzfläche im Zuschauerraum integriert, und die Bestuhlung wurde flexibler gestaltet. Technisch rüstete man auf: Eine vierkanal-stereophonische CinemaScope-Anlage und eine 12 Meter breite Leinwand brachten das monumentale Breitbild-Kino nach Mönchengladbach.

Die Teilung: „Großes Union“ und „Palette“ (1960)

Union 1955 (Bildquelle: Filmblätter 25/55)

Um wirtschaftlich flexibler zu sein, wurde das Kino 1960 geteilt. Es entstanden zwei separate Einheiten: Das „Große Union-Theater“ im Erdgeschoss mit rund 630 Plätzen und die „Palette“ im ehemaligen Rangbereich mit 367 Plätzen. Während das „Große Union“ durch blaue und gelbe Farbakzente sowie eine moderne Akustikdecke bestach, erhielt die „Palette“ mit ihrem silbergrauen Vorhang einen intimen Studio-Charakter.

Die letzten Jahre und das Ende einer Ära

Eine letzte große Modernisierungswelle erreichte das Haus 1974 durch die Merkur-Filmtheaterbetriebe. Trotz bequemerer Sessel und verbesserter Technik konnte der große Saal den Strukturwandel der Kinolandschaft nicht dauerhaft überstehen und schloss nur wenige Jahre später. Das kleinere „Bambi“ – hervorgegangen aus früheren Umbauten – hielt den Spielbetrieb noch etwas länger aufrecht. Mit Filmen wie „Papillon“ oder „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ verabschiedete sich ein großer Name der regionalen Kinogeschichte schließlich von seinem Publikum.

Heute erinnert an der Hindenburgstraße nur noch die Historie an jene Tage, als das Union-Theater das kulturelle Herzstück in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof bildete.

Quellen

Alle Kinos.com

Tags