Neue Scala (Astoria) | 294
In den Trümmern der Nachkriegszeit entstand auf der Neußer Straße 101 ein Ort der Unterhaltung, der innerhalb weniger Jahre eine bewegte Wandlung vollzog. Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs öffnete dort das Astoria seine Pforten. Ursprünglich war das Gebäude lediglich als Übergangslösung für die Familie Rehermann gedacht, deren eigenes Kino, die „Reichsadler-Lichtspiele“, den Bombenangriffen zum Opfer gefallen war.
Doch als das Stammhaus wiederaufgebaut war, zog die Familie weiter und machte Platz für neue Visionen. Nach einer kurzen Phase des Leerstands übernahmen W. Witte und Erich Parlow das Ruder. Sie unterzogen das Haus einer umfassenden Modernisierung und gaben ihm den klangvollen Namen Scala.
Glanz und Technik der 1950er-Jahre
Das Interieur des Scala setzte auf eine markante Ästhetik:
- Farbgestaltung: Der Kinosaal war in einem sanften Resedagrün gehalten.
- Blickfang: Die Bühne spannte sich über fast die gesamte Breite des Raums, dominiert von einem auffälligen, roten Vorhang in einem goldenen Rahmen.
- Komfort: Die gesamte Bestuhlung wurde erneuert, wobei die Logenplätze durch eine besonders weiche Polsterung hervorstachen.
Auch technisch war das Kino auf der Höhe der Zeit. Ausgestattet mit zwei Askania-Projektoren und einer Klangfilm-Tonanlage, bot es dem Publikum ein modernes Seherlebnis. Zur feierlichen Neueröffnung flimmerte der Film „Adoptiertes Glück“ über die Leinwand.
Das Ende einer Ära
Im Jahr 1958 gab es einen Besitzerwechsel innerhalb der Branche, als Erich Nitschke – ein erfahrener Kinobetreiber aus Breslau – das Haus übernahm. Trotz der Bemühungen und der Modernisierungen konnte sich das Lichtspielhaus jedoch nicht langfristig halten. Mit dem Beginn der 1960er-Jahre und dem sich wandelnden Freizeitverhalten der Menschen endete der Spielbetrieb an der Neußer Straße 101 endgültig.
Heute erinnert nur noch die Chronik an die Zeit, als hier das rote Licht der Projektoren leuchtete.
Quellen
Bonus: