Ansicht 1930 (Bildquelle: Postkarte) - Jörg Ostheimer | AlleKinos.com

Kino - Varieté (K.V.) | 443

Kinos 3. Mai 2026

Die kurze Ära des Kino-Varietés in Mönchengladbach

RP Online

Ende August 1928 wehte ein Hauch von großstädtischer Moderne durch Mönchengladbach. An der zentralen Hindenburgstraße eröffnete die „Kino-Varieté GmbH“ ein Theaterprojekt, das für die damalige Zeit in jeder Hinsicht Maßstäbe setzte. Es war nicht nur ein Ort der Unterhaltung, sondern ein architektonisches Statement, das schon von weitem durch seinen markanten Reklameturm auffiel. Über den Dächern der Stadt strahlten die leuchtenden Initialen „K V“ – ein weithin sichtbares Symbol für den Aufbruch in eine neue Ära der Freizeitkultur.

Das Konzept des Hauses brach mit traditionellen Konventionen. Schon vor dem Kartenkauf wurde dem Besucher eine Welt des Luxus eröffnet: Zwanglos konnte man im Foyer flanieren, die mit Marmor und Edelholz verzierten Räumlichkeiten erkunden oder im Rang-Foyer Platz nehmen. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt, denn ein eigener Erfrischungsraum lud zu einem Imbiss ein, noch bevor der eigentliche Vorhang fiel.

Ausstattung & Technik

Der Theatersaal selbst war ein Meisterwerk der Innenarchitektur. Gedämpfte Eleganz durch Eichenholztäfelungen traf auf eine strahlende Goldkuppel an der Decke. Innovative Details wie ein geräuscharmer Gummiboden im Parkett und eine moderne Standard-Orgel ergänzten die indirekte Beleuchtung. Die Bühne bot mit 7 x 13 Metern und einem Rundhorizont modernste Produktionsbedingungen für Künstler.

Hinter den Kulissen genossen die gastierenden Künstler einen Komfort, der damals Seltenheitswert besaß: Eigene Garderoben, Badezimmer und Toiletten standen zur Verfügung. Das Programm selbst war, ganz im Sinne des Namens, eine hybride Form der Unterhaltung.

Unter der Leitung von Leo Gellert und Kapellmeister Muller-Endenthum verschmolzen Live-Varieté-Darbietungen mit den neuesten Errungenschaften der Filmkunst zu einem Gesamterlebnis. Doch der prachtvolle Neubau stand unter keinem dauerhaften Stern. Möglicherweise hatte sich die Gesellschaft mit dem gleichzeitigen Bau eines weiteren Großprojekts in Gelsenkirchen-Buer finanziell übernommen.

Schon bald nach der Eröffnung kam es zu Betreiberwechseln. Das endgültige Schicksal ereilte das markante Gebäude schließlich im Zweiten Weltkrieg, in dem es vollständig zerstört wurde. Heute ist die Erinnerung an dieses glanzvolle Kapitel der Mönchgladbacher Stadtgeschichte fast gänzlich aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden.

Hindenburgstr. 73

Quellen

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