Ehem. Schwarzwaldklinik Bad Rippoldsau | FDS1
Das Mineral- und Moorbad Bad Rippoldsau im Schwarzwald ist ein eindrucksvolles Beispiel für die wechselvolle Geschichte der deutschen Kurkultur. Von einem mittelalterlichen Badhaus entwickelte es sich zu einem luxuriösen Zentrum des europäischen Adels, bevor es im 21. Jahrhundert in einen Dornröschenschlaf aus Leerstand und geplatzten Investitionsträumen versank.
Die Anfänge und der Aufstieg zum Fürstenbad
Die Nutzung der Heilquellen in Bad Rippoldsau lässt sich bis in das Jahr 1490 zurückverfolgen, als erstmals ein klösterliches Badhaus erwähnt wurde. Die wissenschaftliche Grundlage für den Ruf des Ortes legte 1579 der Naturwissenschaftler Jacob Theodor, der die Heilwirkung der Mineralquellen untersuchte und dokumentierte.
Trotz Rückschlägen durch den Dreißigjährigen Krieg blühte das Bad unter der Schirmherrschaft der Fürsten zu Fürstenberg auf. Es entstanden repräsentative Bauten wie der „alte Fürstenbau“ (1658). Ab 1777 übernahm die Familie Goeringer die Leitung und führte das Bad in eine goldene Ära. In dieser Zeit entstanden Spielhallen, Salons und der prunkvolle „neue Fürstenbau“ (1864) im Stile der Renaissance. Ein technisches Highlight war die Eröffnung des ersten Hallenbads Deutschlands im Jahr 1909.
Krisenjahre und die Ära der Ordensschwestern
Der Erste Weltkrieg und der Tod Otto Goeringers im Jahr 1920 markierten das Ende der privaten Blütezeit. Nach einer kurzen Phase des Aufschwungs durch die NS-Organisation „Kraft durch Freude“ kam der Kurbetrieb im Zweiten Weltkrieg zum Erliegen; die Gebäude dienten zwischenzeitlich als Pädagogische Akademie.
Ab 1947 prägte die Kirche den Ort: Zunächst als Heilstätte für Flüchtlinge und Jugendliche genutzt, übernahmen 1948 die Schwestern der Liebe vom Kostbaren Blut die Anlage. Unter ihrer Führung wurde der Kurbetrieb modernisiert. In den 1970er Jahren erreichte der Ort mit über 200.000 Übernachtungen statistische Rekordwerte.
Modernisierung und struktureller Niedergang
Die wirtschaftlichen Realitäten der 1970er Jahre zwangen jedoch zu drastischen Schritten. Ein Gutachten erklärte die meisten historischen Gebäude für unwirtschaftlich, woraufhin fast alle abgerissen wurden. Nur der „neue Fürstenbau“ und die „Villa Sommerberg“ blieben erhalten. Als Ersatz wurde 1977 die moderne Schwarzwaldklinik Bad Rippoldsau mit Thermalbad und Kurmittelhaus eingeweiht.
In den Folgejahren kämpfte der Standort mit den Veränderungen im Gesundheitswesen. Insolvenzen in den Jahren 2004 und 2011 besiegelten schließlich das Schicksal des Kurbetriebs. Im Sommer 2011 wurden sowohl die Klinik als auch das Bad endgültig geschlossen.Heutiger Zustand: Ein Mahnmal des Leerstands
Seit der Verabschiedung der Ordensschwestern im Jahr 2012 steht das Areal weitgehend leer. Zwar gab es Pläne chinesischer Investoren, die Schwarzwaldklinik in ein Vier-Sterne-Hotel umzuwandeln, doch diese Projekte wurden bis heute nicht realisiert. Sowohl der geschichtsträchtige „Fürstenbau“ als auch die modernen Klinikbauten sind aktuell verwaist und prägen als „Lost Place“ das Ortsbild.