Ehem. Lux Kino | Google Streetview 2025

Ehem. Lux Kino | 301

Kinos 3. Mai 2026
allekinos.com | Bild aus den 60ern

Direkt gegenüber dem Mönchengladbacher Hauptbahnhof, im markanten Westland-Haus, begann 1956 eine besondere Ära der lokalen Lichtspielhaus-Historie. Der Kölner Theaterbesitzer Ernst Tabertshofer, der bereits das „Lux am Dom“ in der Domstadt führte, brachte ein modernes Konzept in die Vitusstadt: Er eröffnete das Lux, das erste Aktualitäten-Kino der Stadt.

Design und Ausstattung der 50er Jahre

Die Architektur des Hauses trug die Handschrift von Peter Heuser, Hans Remmelmann und Benno Sommer. Das Interieur war ein Paradebeispiel für die Ästhetik der 1950er Jahre:

  • Farbenspiel: Der Zuschauerraum war mit zitronengelbem, gefälteltem Kunstleder (Acella) bespannt. Die Bestuhlung bot einen bunten Mix aus Grün, Gelb, Grau, Braun und Rot.
  • Technische Highlights: Ausgestattet mit modernster Siemens-Klangfilm-Technik war das Lux für Breitbild und Cinemascope gerüstet. Ein besonderer Service für damalige Verhältnisse war die UKW-Übertragung für Schwerhörige sowie eine vollautomatische Klimaanlage.
  • Die Raucherloge: Ein Kuriosum der Zeit war der Balkon, der als Raucherbereich fungierte. Dank einer ausgefeilten Belüftung konnte man hier auf Trennscheiben verzichten; an den Rückenlehnen der Sessel waren sogar fest installierte Feuerzeuge montiert.

Wandel und Neuausrichtung

Obwohl der Betreiber nach dem ersten Jahrzehnt stolze Besucherzahlen von sechs Millionen vermeldete – eine Zahl, die historisch kritisch hinterfragt werden darf –, änderte sich das Gesicht des Kinos im Laufe der Zeit. 1966 erfolgte eine erste größere Renovierung.

Ein deutlicher Bruch in der Programmgestaltung vollzog sich Ende der 70er Jahre. Während die Außenfassade 1978 durch eine neue Leuchtreklame modernisiert wurde, wandelte sich der Inhalt auf der Leinwand: Das Lux entwickelte sich zum Abspielort für Erotikfilme.

Die Modernisierung 1980

Im Jahr 1980 wurde das Kino umfassend saniert, um dem Zeitgeist zu entsprechen:

  • Ambiente: Die bunten Farben wichen einer edleren Optik mit dunkelvioletten Polstern, Baumwollbespannungen an den Wänden und neuen Holzverkleidungen.
  • Kapazität: Durch die komfortablere Bestuhlung sank die Kapazität von ursprünglich 343 auf nun 256 Plätze.
  • Technik: Man rüstete das Haus technisch für Dolby-Stereo vor.

Die Wiedereröffnung im Oktober 1980 unterstrich die neue inhaltliche Ausrichtung deutlich – man startete mit Lasse Brauns „Lust“ in die neue Ära. Heute erinnert die Adresse an der Hindenburgstraße 201 an einen Ort, der über Jahrzehnte den Wandel der Kinokultur zwischen Aktualitäten-Theater und spezialisiertem Programmkino miterlebt hat.

Quellen

Alle Kinos.com

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