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Die August-Lamey-Loge | 134

Logen 3. Mai 2026

Die Wurzeln der jüdischen Logenvereinigung Bnei-Brith (Hebräisch für „Söhne des Bundes“) liegen im Jahr 1843, als jüdische Einwanderer in den USA den Orden gründeten. Ihr Ziel war es, Menschen unterschiedlicher Herkunft zu vereinen, um soziale Not zu lindern, Verfolgten beizustehen und sich gemeinsam für hohe ethische Menschheitsziele einzusetzen.

In Mannheim wurde diese Tradition im Jahr 1896 mit der Gründung einer eigenen Loge aufgegriffen. Man benannte sie nach dem badischen Politiker August Lamey, der sich als Architekt des Gesetzes zur rechtlichen Gleichstellung der Juden in Baden verdient gemacht hatte.

Ein Ort des Geistes und der Gemeinschaft

Die August-Lamey-Loge verstand sich laut ihrer Satzung als Förderer der Menschenliebe und als aktive Mitgestalterin der deutschen Kulturaufgaben. Gleichzeitig widmete sie sich der Pflege und Stärkung jüdischer Ideale. Das Logenhaus am Zeughausplatz (C 4, 12), das um 1900 errichtet wurde, bot hierfür den idealen Rahmen:

  • Begegnung: Mitglieder konnten sich in einer Atmosphäre des gegenseitigen Respekts austauschen.
  • Bildung: Anspruchsvolle Vorträge und Diskussionen mit bedeutenden Denkern wie Martin Buber und Leo Baeck prägten das intellektuelle Leben der Loge.
  • Religiosität: Neben einem Restaurant verfügte das Gebäude über einen Tempelsaal. An hohen Feiertagen wie Rosch Haschana und Jom Kippur wurden dort zusätzliche Gottesdienste für Jugendliche und weitere Gemeindemitglieder abgehalten.

Umfangreiches soziales Engagement

Das Herzstück der Loge war ihre breit gefächerte Wohlfahrtsarbeit, die weit über die eigenen Reihen hinausging:

  • Soziale Fürsorge: Der Schwesternbund „Caritas“ leistete wichtige Arbeit im Bereich der Wohlfahrt.
  • Jugendhilfe: In Knaben- und Mädchenhorten wurden schulpflichtige Kinder betreut und bis zum Einstieg in den Beruf begleitet.
  • Nothilfe: Der Verband jüdischer Krankenschwestern und die gezielte Unterstützung bedürftiger Familien linderten akute Notlagen.

Als die jüdische Gemeinde 1926 ein eigenes Wohlfahrtsamt eröffnete, konnte dieses auf den fundierten Erfahrungen und Strukturen aufbauen, welche die Logenbrüder und -schwestern über Jahrzehnte etabliert hatten.

Das gewaltsame Ende

Die Blütezeit dieser Institution endete unter dem NS-Regime. Im Jahr 1937 wurde der Bnei-Brith-Orden verboten und das Gebäude in C 4, 12 zwangsweise geschlossen. Was die Nationalsozialisten begannen, vollendete der Zweite Weltkrieg: Das ehemalige Zentrum für Humanität und Kultur wurde durch Bomben vollständig zerstört.

Quellen

Keller, Volker: Jüdisches Leben in Mannheim, Mannheim 1995

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