Zerstörte Synagoge am 10.11.1938 (Quelle: Stadtarchiv)

Ehem. Synagoge | LU37

Synagogen 30. Apr. 2026
Zerstörte Synagoge am 10.11.1938 (Quelle: Stadtarchiv)

Die ehemalige Synagoge in der Kaiser-Wilhelm-Straße in Ludwigshafen am Rhein war über Jahrzehnte hinweg das religiöse und kulturelle Zentrum der jüdischen Gemeinde der Stadt. Ihre Geschichte spiegelt sowohl den Aufstieg der jüdischen Gemeinschaft im 19. Jahrhundert als auch deren gewaltsame Zerstörung während der Zeit des Nationalsozialismus wider.

Entstehung und Umbau zur Synagoge

Die jüdische Gemeinde in Ludwigshafen entstand Mitte des 19. Jahrhunderts und nutzte zunächst provisorische Gebetsräume. Da diese auf Dauer nicht ausreichten, suchte die Gemeinde nach einem eigenen Gebäude für religiöse Zwecke. Im Jahr 1863 konnte die Gemeinde schließlich eine sogenannte Simultankirche in der Kaiser-Wilhelm-Straße 34 erwerben. Dieses Gebäude war ursprünglich 1854 errichtet worden und stand nach dem Bau neuer katholischer und evangelischer Kirchen leer.

Nach dem Kauf wurde das Gebäude innerhalb kurzer Zeit umgebaut und an die Bedürfnisse einer Synagoge angepasst. Die feierliche Einweihung fand am 26. und 27. Mai 1865 statt. Dabei wurden die Torarollen in einem festlichen Umzug in das neue Gotteshaus gebracht. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Synagoge mehrfach renoviert, erweitert und modernisiert, was auf das Wachstum und die zunehmende Bedeutung der jüdischen Gemeinde hinweist.

Bedeutung für die Stadt

Die Synagoge lag in einer der wichtigsten Straßen Ludwigshafens, der Kaiser-Wilhelm-Straße, die sich als zentrale Verkehrs- und Geschäftsstraße durch die Innenstadt zog. Das Gotteshaus war nicht nur ein Ort des Gebets, sondern auch ein sozialer Mittelpunkt für die jüdische Bevölkerung. Hier fanden religiöse Feiern, Versammlungen und kulturelle Aktivitäten statt.

Zerstörung in der Reichspogromnacht 1938

Ein tragischer Wendepunkt in der Geschichte der Synagoge war die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, bekannt als Reichspogromnacht. In dieser Nacht wurde die Synagoge von Nationalsozialisten verwüstet, geplündert und anschließend in Brand gesetzt. Die Feuerwehr wurde bewusst daran gehindert, das Gebäude zu löschen, bis es vollständig niedergebrannt war. Die Zerstörung der Synagoge war Teil der systematischen Verfolgung der jüdischen Bevölkerung im Deutschen Reich und markierte das Ende des jüdischen Gemeindelebens in Ludwigshafen in seiner bisherigen Form.

Nachkriegszeit und Erinnerung

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Grundstück zunächst an die jüdische Gemeinde zurückgegeben. Später wurde es verkauft und überbaut, sodass heute keine baulichen Überreste der Synagoge mehr existieren. Zur Erinnerung an das zerstörte Gotteshaus wurde am 23. September 1973 eine Gedenktafel angebracht. Diese erinnert sowohl an die Synagoge selbst als auch an die Opfer des Nationalsozialismus und dient als Mahnung gegen Intoleranz und Gewalt.

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